
Am Samstag, den 29. Juli fand im Geschichtspark Bärnau-Tachov von 10-16 Uhr ein Workshop zu Thema „Mit dem Pferd durch Mittelalter und Neuzeit“ statt.
Knapp 20 Personen nahmen teil, darunter eine Gruppe Archäologie-Studierende von der Karls-Universität Prag. Die Veranstaltung wurde simultan übersetzt, so dass es hier keinerlei Verständigungsprobleme gab.
Zunächst referierte Annette Zeischka-Kenzler M.A. vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg über die Kulturgeschichte des Zusammenlebens von Mensch und Pferd.
Anfangend mit der Evolution und den Besonderheiten und Merkmalen des Tieres, fand das Pferd erst einmal als Jagdbeute Einzug in das Leben des Menschen. Nach der Domestizierung etwa im 4. Jahrtausend wurde das schnelle Pferd zunächst vor den Streitwagen gespannt, bis sich wohl im 2. Jahrtausend in den Steppen Zentral- oder Ostasiens jemand auf seinen Rücken schwang. Fortan veränderte sich die Welt: der Mensch war nun schneller mobil und Eroberungen wurden leichter.
Durch alle Zeiten – bis zum Einsetzen der Industrialisierung – war das Pferd ständiger Begleiter des Menschen. Doch auch im Mittelalter und der Neuzeit besaßen es nur wenige. Ein Ziel des Workshops war, dieser Frage, warum das Pferd ein Luxustier war und ist, nachzugehen. So ist das Pferd sehr empfindlich, was Futter und Anatomie betreffen, braucht Jahre bis es überhaupt einsetzbar ist, benötigt teures Zubehör und Haltung und Umgang erfordern einiges an Wissen.
Im Mittelalter veränderten Innovationen – wie der Steigbügel der reitenden Steppenvölker – die Kampftechnik völlig. Der Reiter saß nun fest und sicher im Sattel. Oder das Kummet, mit dem das Pferd nun als Zugtier für schwere Lasten und Arbeiten eingesetzt werden konnte.
Das Aufkommen von Feuerwaffen erforderte wiederum eine neue Kampftechnik und das Ende des Rittertums wurde eingeleitet. Ab der Barockzeit wurde zunehmend auch auf Prestige und Image gezüchtet. Und zum Ende der Neuzeit entwickelte sich eine Kavallerie, deren Erbe wir heute noch im Reitsport erleben.
Im Zweiten Teil des Workshops erlebten die Teilnehmer live einen hochmittelalterlichen Ritter. So erklärte Thomas Krause von der Reenactment Gruppe „Die Freien von der Karlshöhe“ anschaulich die umfangreichen Vorbereitungen eines Ritters und stand Rede und Antwort. Beginnend mit der Vorstellung des Pferdetyps – hier ein Haflinger des alten Schlags – über das Zubehör, das Satteln und Zäumen bis hin zur Ausstattung eines Ritters dieser Zeit.
In Film und Fernsehen werden meist völlig unrealistische Vorstellungen vermittelt. Jeden Teilnehmer des Workshops wurde klar, dass das Leben eines Ritters zu Pferd nicht so einfach ist und viel Wissen, Zeit, Equipment und Personal benötigte. So muss ein Pferd erst einmal intensiv ausgebildet und trainiert werden, bevor es überhaupt für den Kampf eingesetzt werden kann. Gleiches gilt für den Reiter. Allein das Anziehen der gesamten Ausrüstung mit Kettenhemd, Helm und Lanze lässt sich teilweise nicht mehr selbst bewältigen.
Der Workshop endete mit großer Begeisterung und soll unbedingt wiederholt werden.